Montag, 20. Februar 2012

Abenteuer in DownUnder

Ihr Lieben :)

Der Blog hat sich ganz arg vereinsamt gefühlt und ich hab mich entschieden, ihn nun endlich mal wieder mit etwas Leben zu befüllen.

Ich hab ja noch das eine oder ander aus Indien und der Türkei zu berichten, aber jetzt sitz ich grad so schön um halb zehn Uhr Abends bei über 30 Grad auf unserem Balkon vorm Hostelzimmer und genieße die frische Brise, die ab und an mal ihren Weg hierher findet, die Moskitos verjagt und die Haut erschauert. Von unten vorn und rechts trällert mir Musik entgegen, der Rythmus unseres Hostel-Sambas übertönt ein bisschen den leichten Jazz aus der Bar nebenan und die "jungen Hüpfer", oder "Kleinen" - wie Uli immer so schön sagt - da unten genießen Pool(billiard) und Party :). Ich "Große" hab grad mit der Judith geskypt und wahrscheinlich Muttergefühle abbekommen und mag mich jetzt erstmal ein bisschen um den vereinsamten Blog kümmern ... ;)

In 10 Tagen kann so unglaublich viel passieren, dass man gar nicht weiß wo anfangen. Ich bin jetzt also auf der anderen Seite der Welt, da wo's warm ist und man morgens vorm Frühstück im Ozean baden kann :). Nachdem das Salzwasser aus den Haaren geduscht ist geht es auch schon flugs runter in die Küche, wo ein paar müde oder muntere (je nachdem) "Good morning"s durch den Raum flattern und dann strömt der Duft des halb verbrannten Ciabattas (das Brot ist selbst zweigeteilt etwas zu dick für den Toaster) durch den Raum und schnell wird die Orangenmarmelade ausgepackt und dick drauf gestrichen. Dazu gibt's einen Passionsfrucht-Jogurth und Tee mit Milch :). Gegessen wird im kleinen Hinterhof, der urgemütlich mit diversen Tischen, Stühlen und Couchen aufwartet und in dem Donnerstags der weltbeste australische Barbecue-Meister seine Künste zeigt. Die Blumentöpfe werden vom Grill geräumt und Vaugahn, der Hostelbesitzer, brät was auch immer ihm der hungrige Backpacker vor die Nase hält. Es zischelt und duftet und alles mampft mit vollen Backen. Die Musik läuft, es wird Billard gespielt und wem der Trubel zu viel wird der verzieht sich ins Videozimmer. Alles in allem also total nett hier.

"Hier" ist übrigens das Pirates Backpackers in Fremantle, ein quirliger Ort ca. 10km südlich von Perth. Hier gibt es Bars ohne Ende und für jeden Geschmack, Pubs, Restaurants, kleine Cafés mit vegetarischen Snacks, große Brauereien mit angeschlossenem Biergarten - die ungewöhnlichste Aussicht kann man im "little creatures" genießen, wenn man sich mit seinem Bier an einen tresenartigen Tisch setzt, hochguckt und plötzlich einen Sandkasten mit 10-12 Kindern drin vor der Nase hat :) - einem Gefängnis zum Anschauen, dem wunderschönen SouthBeach und, und, und ... Die Einwohner sind freundich, herzlich, offen und der Ort selbst ist ein Sammelsurium der normalsten und seltsamsten Gestalten, kreativ, kommunikativ, karikativ (Freiwilligenarbeit wird großgeschrieben - vertreibt allerdings auch den einen oder anderen Job).

Ich bin vor ca. 10 Tagen mit dem Flugzeug aus der Türkei angekommen, hab mir in einem zweistündigen Aufenthalt in Kuala Lumpur den Regenwald auf dem Flughafen angeschaut und bin dann pünktlich nach insgesamt 18 Stunden Reisezeit (von Istanbul) in Perth gelandet. Susan, die ich über Couchsurfing angeschrieben hatte, war so lieb mich vom Flughafen abzuholen und nach Fremantle zu fahren, wo ich für die ersten drei Nächte - ebenfalls über Couchsurfing - bei John untergekommen bin. Bis John von Arbeit kam hat mich Susan schon mal rumgeführt und mich dann auch zu ihm gefahren. John ist ein Unikat, sein aktuelles Motto lautet "to convince people that it is OK to look like a disfunctional grasshopper" und genau so ist er auch drauf. Wir hatten eine Menge Spaß, haben zusammen die Eröffnungsfeier des Perth Festivals angeschaut, bei dem Akrobaten an Drahtseilen Tonnen von Federn aus der Luft auf die begeisterten Zuschauer unten haben schneien lassen. Der Trubel war unglaublich, die Straße war voll von Menschen, die mit Federn um sich geworfen haben, im "Federschnee" saßen oder sogar lagen und "Federschnee"-Engel auf die Straße "malten". An jeder Ecke war ein anderer Straßenkünstler und im Szene-Viertel Northbridge öffnete das Fringe-Festival die Bier- und Musikschleusen. Übrigens geht der Australier bzw. die Australierin hier schick angezogen aus. Nix mit Jeans und Schlabber-TShirt. Für die Herren ist festes Schuhwerk Voraussetzung für den Eintritt zu Veranstaltungen, auch OpenAir (!), und die Damen oder Mädels gehen im hübschen Kleid. Dazu muss gesagt werden, dass es nicht unbedingt aufgetakelt wirkt, es müssen nicht mal Stöckelschuhe sein und die Figur spielt auch keine so große Rolle. Ich kam mir ziemlich "underdresst" vor, hatte aber trotzdem eine Menge Spaß. John hat mir dann auch noch zwei der interessantesten sympatisch-schäbischen Bars in Freemantle gezeigt, in denen jeweils klasse LiveMusic gespielt und natürlich eine Menge getrunken wurde. Endlich konnte ich auch wieder einen guten Cider genießen :).

Bei einem anderen Live Konzert (diesmal etwas sittsamer in Fremantles Kunst-Zentrum) habe ich dann eine weitere sehr nette Bekanntschaft gemacht. Caroline hat genau wie ich auf ihren bestellten Snack gewartet und so sind wir ein bisschen ins Gespräch gekommen. Obwohl wir nicht so ganz dasselbe Alter haben (Caroline könnte meine Mutter sein), haben wir uns auf Anhieb wunderbar verstanden. So gut, dass Caroline mich spontan eingeladen hat, doch irgendwann die Woche mal zu ihr und ihrem Mann zum Abendessen zu kommen. Telefonnummern wurden ausgetauscht und später am Abend rief sie mich an und fragte, ob mir Dienstag oder Mittwoch besser passen würde. Sie war ganz aufgeregt, weil sie so etwas noch nie gemacht hat - jemand Fremdes einfach so einzuladen - und auch weil sie mir versichern wollte, dass die beiden auch ganz bestimmt keine junge-Frauen-haschenden Gangster sind. Da die beiden im Norden von Perth wohnen, hat sie mich am Dienstag mit ihrem Auto in Fremantle abgeholt und es wurde ein unglaublich toller Abend. Caroline und ihr Mann Kevin stammen beide ursprünglich aus Großbritannien, sind als Jugendliche damals noch mit dem Schiff nach Australien gekommen und haben mittlerweile ihre beiden Söhne hier großgezogen. Sie reisen gern und waren in ein paar spektakulären Gegenden (u.a. im Karakorum) und so hatten wir eine Menge zu erzählen. Es wurde überhaupt nicht langweilig und als mich die beiden dann später am Abend nach einem leckeren Barbecue und ein paar Gläsern Wein wieder "nach Hause" gebracht hatten war klar, dass wir im Kontakt bleiben.

Das nächste tolle Ereignis ließ nicht lange auf sich warten: Immer noch unsicher, ob ich in Fremantle bleiben oder doch Richtung Süden nach Margaret River in die Weinberge gehen sollte, habe ich mich am Mittwoch zu meinen ersten Schritten in der Jobsuche aufgemacht. Mir war noch nicht nach Cafés und Restaurants ablaufen und den Lebenslauf abgeben (den ich zu dem Zeitpunkt auch noch gar nicht geschrieben hatte); ich wollte etwas Spannenderes erleben und bin losgezogen, um mich im Hafen kundig zu machen, ob und wie man an einen Job als Deckhand auf einem Segelboot kommt. "Job" ist natürlich etwas übertrieben, "mitsegeln-helfen-und-lernen-wie-das-geht" passt da besser ;). Ein Segelmacher brachte mich auf den "Fremantla Sailing Club", an dessen Rezeption mich eine junge Dame freundlich aber bestimmt abwies (wahrscheinlich war ich wieder mal nicht gut genug gekleidet), aber zumindest gab sie mir eine Internet-Adresse, die sich später jedoch als ziemlich irrelevant herausstellte. Wieder draußen auf den Parkplatz wollte ich schon aufgeben, als ein junger Typ im Auto ankam und irgendwie sehr nach Segler aussah (fragt mich jetzt nicht, wie ein Segler aussieht - es ist wahrscheinlich nur sehr wahrscheinlich dass jemand, der dort im Jeep auf dem Parkplatz ankommt, ein Segler ist). Ich setzte auf einen letzten Versuch und hatte unglaubliches Glück. Josh, der tatsächlich Segler ist, konnte mir zwar mit dem Deckhand-Job nicht weiterhelfen, meinte aber dafür: "Wir fahren gleich raus, wenn du magst, komm doch mit." Da sag ich doch nicht nein!!! Für eine Sekunde war ich mir unsicher, wer "wir" ist und ob ich mit einer Horde trunkender junger Raufbolde auf einem Schiff landen würde. Aber dann erzählte Josh vom Boot seiner Eltern und von der gleich stattfinden Regatta, bei der auch Freunde der Familie mit auf dem Boot wären. Wir waren insgesamt ca. 12 Personen, die meisten, v.a. die Frauen, ohne große Segelerfahrung. Aber das war kein Problem: Joshs Eltern hatten das Boot in Greifswald :) gekauft und sind dann gleich mal ein paar Monate bis nach Amerika gesegelt. Und Josh selbst war eine zeitlang professioneller Regatta-Segler und später TeamInstructor ... Erfahrung genug also. In der Aufregung einer Regatta bleibt natürlich nicht so viel Zeit fürs Zeigen und Erklären. Mein Einsatz an Bord beschränkte sich daher zunächst aufs Zuschauen, Zuhören, Verstehen (!) und englische Segelbegriffe einprägen und natürlich hier und da mal mit anpacken, wenn es sich ergab. Die Faszination des Segelns ist schwer zu beschreiben, mir rauschte das Adrenalin nur so durch die Adern und der unglaubliche Sonnenuntergang bei der Einfahrt zurück in den Hafen war der perfekte Abschluß für dieses großartige Erlebnis. Zum Abschluß saßen wir noch ein bisschen beisammen und ich war ein weiteres Mal berührt von der lockeren, freundlichen Art der Australier.

Nun ist es mittlerweile kurz nach 11 Uhr Abends, die Hostelmusik hat zu britischem Rock gewechselt und die Bar nebenan ihren Tresen für heute geschlossen. Die einzige Konkurrenz für die grad spielenden Beatles ist nun eine kleine Grille, die aufgeregt und wirkungsvoll laut vor sich hinzirpt. Ich werde jetzt noch einen Abstecher ins Badezimmer machen und mich dann ins Zimmer schleichen. Warum mein zweiter Segelausflug besonders spannend wurde und welchen Job ich heute tatsächlich ergattert habe erzähle ich Euch im nächsten Beitrag. Guads Nächtle! :)


Um mal grob zu zeigen, wo ich bin.
To have an idea as where I am.


Federn fallen wie Schnee vom Himmel.
Feathers falling like snow.


Ein dicker Engel :)
A thickly angel :)


Begeisterte Zuschauer
enthused aussies


ein gefakter Schnee-Engel
a fake Snow-Angel


Einer der Straßenkünstler mit selbstgebautem Didgeridoo-Kunstwerk-Musikinstrument
One of the street artists with selfmade Didgeridoo-Art-musical-instrument


Blick vom Kings Park auf Perth bei Nacht
View from Kings Parc to Perth at nighttime


Immer noch im Kings Park :)
Still in Kings Parc :)

Kommentare:

  1. Mensch Frau Friedrich, ewig steht nichts im Blog und dann gleich ein Roman :-) Bin schon auf die Fortsetzung gespannt.
    Ich dachte immer man soll nicht zu fremden Männer ins Auto steigen - wahrscheinlich ist das bei einem Boot dann was anderes!
    Liebe Grüße, Schmidti

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    1. So Frau Schmidt, Teil 2 ist nun auch endlich drin ... ;) Drück Dich!

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  2. Jaaaaaaaaaaaa Sie lebt noch.....

    schön mal wieder was von dir zu hören! Fast zwei Monate Funkstille bilden schon einen sehr großen Spannungsbogen....

    Dann hoffe wir mal auf eine etwas schnellere Fortsetzung der Törnbeschreibung! Ich hoffe die klingt dann nicht mehr so unbeholfen, immerhin können dir Boote aus Greifswald nicht soooo fremd sein (oder bedarf es hier dringend einer Auffrischung??)

    Liebe Grüße von den 4 Kreutzers
    (seit kurzem alle Mobil...)

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    1. Mensch die Kreutzers :)!

      Und alle 4 mobil, ja ja, eine moderne Familie ... ;)

      Die Auffrischung nehm ich jederzeit gern mit :) und die englischen Begriffe sind ECHT anders ;), da fühlt man sich tatsächlich unbeholfen in der Hektik einer Regatta, und trotzdem machts Spaß :)

      In diesem Sinne: Immer eine Handbreit Wasser und so ... ;)

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  3. heyyy marinaaa..

    das klingt ja alles total spannend.. nette leute und viel kommunikation, gutes essen und sonnenuntergänge auf einem boot und natürlich musik :)

    ganz lieben gruß und eine gute zeit..

    davide

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